Fuchsjagd in Baden-Württemberg: Warum die Debatte um Artenschutz irreführt
Fuchsjagd in Baden-Württemberg: Warum die Debatte um Artenschutz irreführt
Ein Streit über die Fuchsjagd in Baden-Württemberg hat widersprüchliche Aussagen zum Artenschutz ans Licht gebracht. Der Landesjagdverband argumentiert, dass eine Verkürzung der Schonzeit für Füchse bedrohten Arten wie Rebhühnern und Hasen helfen würde. Unabhängige Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Fuchsbestände seit 25 Jahren nicht gestiegen sind – und möglicherweise sogar zurückgehen.
Der Landesjagdverband Baden-Württemberg drängt darauf, die Schonzeit für Rotfüchse zu verkürzen, mit der Begründung, dass die Bejagung während der Paarungszeit bodenbrütende Vögel schützen würde. Füchse seien eine Bedrohung für Arten wie Rebhühner, Auerhühner und Feldhasen, so der Verband. Doch der Naturschutzbund Deutschland hat diese Behauptungen überprüft – und keine Belege dafür gefunden.
Die Daten des Umweltministeriums des Landes erzählen eine andere Geschichte. Seit Einführung der Schonzeit im Jahr 2015 sind die Verkehrsunfälle mit Füchsen deutlich zurückgegangen. Vor 2015 starben jährlich etwa 8.000 Füchse auf den Straßen; seitdem sank die Zahl auf rund 5.500 pro Jahr.
Fachleute weisen auch die Vorstellung zurück, dass Füchse für den Rückgang der Vogelbestände verantwortlich seien. Die eigentlichen Ursachen sind Lebensraumzerstörung, Überdüngung, Pestizide, Insektensterben und Verkehr. Zwischen 2015 und 2020 gelang es Jägern in der Region nicht, Rebhühner zu erhalten – es wurde keines gejagt oder tot aufgefunden. Selbst vor 2015, als Füchse noch keine Schonzeit hatten, erholten sich die Rebhuhnbestände nicht.
Die Bejagung von Füchsen während der Paarungszeit könnte sich sogar als kontraproduktiv erweisen. In dieser Zeit steigt der soziale Druck in Fuchsrudeln, was oft dazu führt, dass sich junge Füchse in großer Zahl verteilen. Studien zeigen, dass das Töten von Raubtieren bodenbrütenden Vögeln selten hilft, da höhere Fortpflanzungsraten und Zuwanderung aus benachbarten Gebieten die Verluste ausgleichen.
Für das langfristige Überleben bedrohter Arten schlagen Forscher vor, 7 bis 10 Prozent der Agrarflächen wiederherzustellen. Dies würde bessere Lebensräume bieten, als es die Bejagung von Raubtieren jemals könnte.
Die Debatte offenbart eine Kluft zwischen jagdpolitischen Maßnahmen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Fuchsbestände sind seit Jahrzehnten nicht gewachsen, und die Verkehrsopfer sind seit Einführung der Schutzregelungen zurückgegangen. Der Fokus im Artenschutz liegt nun auf der Renaturierung von Lebensräumen – und nicht auf der Bejagung von Raubtieren – als Schlüssel zum Erhalt bedrohter Arten.
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