Baden-Württemberg vor der Richtungswahl: Wirtschaft, Verkehr und ein neuer Ministerpräsident
Ella HofmannBaden-Württemberg vor der Richtungswahl: Wirtschaft, Verkehr und ein neuer Ministerpräsident
Baden-Württemberg wählt am 8. März ein neues Landesparlament
Nach 15 Jahren unter dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann steht in Baden-Württemberg ein Führungswechsel an. Die Wahl am 8. März wird nicht nur eine neue Regierung bestimmen, sondern auch die Weichen für zentrale Politikbereiche stellen – von Verkehr bis Luftfahrt. Dabei sieht sich das Land mit wirtschaftlichen Herausforderungen und sich wandelnden politischen Prioritäten konfrontiert.
Die Abstimmung findet in einer Phase wirtschaftlicher Belastung für das industrielle Herz Deutschlands statt. 2024 schrumpfte die Wirtschaftsleistung des Landes um 0,4 Prozent, die Industrieproduktion ging um zwei Prozent zurück, und die Arbeitslosigkeit stieg von 3,3 auf 4,6 Prozent. Dennoch blieb der Maschinen- und Anlagenbau mit 330.000 Arbeitsplätzen eine tragende Säule: Der Branchenumsatz lag bei 83,6 Milliarden Euro, die Exporte bei 47,5 Milliarden Euro. Ein leichter Aufschwung bei den Aufträgen (+4 Prozent von November 2025 bis Januar 2026) gibt vorsichtigen Anlass zur Hoffnung – doch globale Unsicherheiten und US-Zölle belasten weiterhin das Wachstum.
Verkehrspolitik als zentraler Streitpunkt Während CDU, FDP und AfD den Ausbau von Auto- und Flugverkehr vorantreiben, setzen Grüne, SPD und Linke auf Schiene und öffentlichen Nahverkehr. Die FDP legt mit neun luftfahrtspezifischen Vorschlägen den Fokus auf diesen Bereich, während die SPD als einzige Partei eine landesweite, nachhaltige Luftfahrtstrategie vorlegt. Die AfD hingegen verzichtet auf eine klare Positionierung und inszeniert sich als Verteidigerin einer "ideologiefreien" Verkehrspolitik.
Im Mittelpunkt der Debatten steht der zu 65 Prozent in Landeshand befindliche Flughafen Stuttgart. Umfragen deuten auf eine mögliche schwarz-grüne Koalition hin – die Zukunft des Flughafens und die allgemeine Luftfahrtpolitik werden daher maßgeblich von den Koalitionsverhandlungen abhängen. Die langjährige Prägung durch die Grünen unter Kretschmann steht dabei der wirtschaftsliberalen Linie der CDU gegenüber, was entweder zu Kompromissen oder Konflikten führen könnte.
Sechs Bewerber, unterschiedliche Visionen Um das Amt des Ministerpräsidenten bewerben sich Cem Özdemir (Grüne), Manuel Hagel (CDU), Andreas Stoch (SPD), Hans-Ulrich Rülke (FDP), Markus Frohnmaier (AfD) sowie ein Trio aus gleichberechtigten Spitzenduos der Linken. Ihre Wahlprogramme spiegeln tiefe Gräben wider – von der Industriepolitik bis zum Klimaschutz. Die 11,2 Millionen Einwohner Baden-Württembergs entscheiden damit über die künftige Ausrichtung des Landes.
Die Wahl wird zeigen, ob Baden-Württemberg seinen industriellen Kurs verstärkt oder eine grünere Wende einleitet. Mit global agierenden Konzernen wie Mercedes-Benz, Porsche und Bosch als wirtschaftliche Säulen muss die nächste Regierung Wachstum und Nachhaltigkeit in Einklang bringen. Die nach dem 8. März gebildete Koalition wird zudem die Rolle des Flughafens Stuttgart und die gesamte Verkehrsstrategie des Landes auf Jahre hinaus prägen.
