Gerichtsbegleithunde revolutionieren Zeugenaussagen in deutschen Gerichtssälen
Luisa BrandtStatt Schweigen: Wie Hunde im Gericht helfen - Gerichtsbegleithunde revolutionieren Zeugenaussagen in deutschen Gerichtssälen
Deutschland startet erstes bundesweites Qualifizierungsprogramm für Gerichtsbegleithunde
Erstmals gibt es in Deutschland ein flächendeckendes Ausbildungsprogramm für speziell geschulte Hunde, die Opfer und Zeugen während Gerichtsverhandlungen unterstützen. Die Initiative soll Stress reduzieren und die Qualität von Aussagen in sensiblen Fällen verbessern.
Stand Februar 2026 haben 42 Hunde die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, davon sind bereits 28 in Gerichten in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen im Einsatz. Die übrigen Tiere befinden sich noch in der Vorbereitungs- oder Testphase, bevor sie eingesetzt werden.
Das Zertifizierungsprogramm ist bundesweit einzigartig. Es umfasst theoretischen Unterricht, praktische Übungen und eine Abschlussprüfung, um die Hunde auf ihre Arbeit im Gerichtssaal vorzubereiten. Ein Tierarzt überwacht ihr Wohlbefinden während des gesamten Einsatzes.
Nicht jeder Hund eignet sich für diese Aufgabe. Die Tiere müssen auch in emotional aufgeladenen Situationen ruhig bleiben. Sobald sie zertifiziert sind, liegen sie neben Zeugen und dienen als "Ankerpunkt" – Betroffene können die Leine halten oder das Fell streicheln, um Halt zu finden.
Die Hunde tragen dazu bei, eine entspanntere Atmosphäre für Aussagen zu schaffen. Studien zeigen, dass ihre Anwesenheit den Blutdruck senken, die Atmung beruhigen und das Vertrauen bei verletzlichen Personen stärken kann. Besonders in Fällen von Sexualstraftaten, wo Opfer oft Blickkontakt meiden oder tiefe Scham empfinden, ist dies hilfreich.
Die Idee ist nicht neu: Baden-Württemberg setzt Gerichtsbegleithunde bereits seit Jahren ein – etwa in Strafprozessen, Frauenhäusern oder zur Resozialisierung von Gefangenen. Nun soll das Programm landesweit ausgebaut und in weiteren Regionen verfügbar gemacht werden.
Auch Richter profitieren davon. Wenn sich Zeugen sicher fühlen, machen sie klarere und detailliertere Aussagen. Das stärkt den Rechtsstaat, indem die Beweisqualität in Verfahren steigt.
Bisher wurden 42 Hunde ausgebildet, 28 sind bereits im Gerichtseinsatz. Ihre Rolle bei der Stressreduktion und Verbesserung von Zeugenaussagen markiert einen wichtigen Wandel in der juristischen Unterstützung. Langfristig ist eine breitere Einführung geplant – stets verbunden mit regelmäßigen Kontrollen zum Wohl der Tiere.
