"Sondervermögen" als Unwort des Jahres 2025 – warum dieser Begriff täuscht
Noah FrankeWarum 'Sondervermögen' das Unwort des Jahres 2025 ist - "Sondervermögen" als Unwort des Jahres 2025 – warum dieser Begriff täuscht
Der deutsche Begriff „Sondervermögen“ (Sonderfonds) ist zum „Unwort des Jahres 2025“ gekürt worden. Eine Jury wählte den Ausdruck aus, weil er bewusst verschleiert, dass solche Fonds mit der Aufnahme neuer Schulden verbunden sind. Im Vorjahr hatte „biodeutsch“ (ethnisch deutsch) den negativen Sprachpreis erhalten – kritisiert wegen seiner ausgrenzenden Konnotation.
Der Term „Sondervermögen“ stammt aus der wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Fachsprache. Er bezeichnet abgegrenzte staatliche Vermögenswerte, die für bestimmte Aufgaben vorgesehen sind und oft außerhalb des regulären Haushalts verwaltet werden. In der Praxis ermöglichen diese Fonds Regierungen, die üblichen Haushaltsgrenzen zu umgehen, indem sie Kredite außerhalb der standardmäßigen Budgetregeln aufnehmen.
Kritiker werfen dem Begriff vor, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Statt Ausgaben für Militär oder Infrastruktur als neue Schulden darzustellen, suggeriert er, das Geld stamme aus einem bestehenden Vermögenstopf. So wurde etwa der „Sonderfonds für die Bundeswehr“ als Lösung für die Modernisierung präsentiert – ohne deutlich zu machen, dass dafür frische Kredite nötig sind. Die Jury betonte, wie diese sprachliche Täuschung die öffentliche Wahrnehmung verzerrt. Eine Aussage wie „Der Bundestag bewilligt einen Sonderfonds für die Aufrüstung der Streitkräfte“ klingt harmloser als „Die Modernisierung der Armee erfordert neue Schulden.“ Die technische Verpackung des Begriffs verschleiert seine tatsächlichen finanziellen Folgen.
Auf Platz zwei landete „Zustrombegrenzungsgesetz“ (Gesetz zur Begrenzung des Zuzugs). Die Jury kritisierte die verharmlosende Formulierung, die die Realität restriktiver Migrationspolitik beschönigt. Die „Unwort“-Kampagne bewertet öffentlich eingereichte Vorschläge, um Sprache zu entlarven, die Transparenz untergräbt, demokratische Prinzipien aushöhlt oder Täuschung fördert.
Die Wahl von „Sondervermögen“ unterstreicht die Bedenken gegenüber politischer Sprache, die finanzielle Realitäten verschleiert. Indem Schulden als Vermögen dargestellt werden, prägt der Begriff die öffentliche Debatte auf eine Weise, die die Kontrolle über Staatsausgaben schwächen könnte. Mit ihrer Entscheidung will die Jury darauf aufmerksam machen, wie solche Formulierungen Wähler täuschen und die Verantwortlichkeit von Politikern untergraben können.
