06 January 2026, 06:36

EU lockert Gentechnik-Kennzeichnung: Niedersachsens Ministerin warnt vor Risiken für Landwirte und Vielfalt

Ein Gestell mit verschiedenen Lebensmitteln und einem Etikett.

Minister hält GMO-Entscheidung der EU für falsch - EU lockert Gentechnik-Kennzeichnung: Niedersachsens Ministerin warnt vor Risiken für Landwirte und Vielfalt

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte hat die jüngsten Pläne der EU zur Lockerung der Kennzeichnungsvorschriften für gentechnisch veränderte Lebensmittel scharf kritisiert. Die im frühen Dezember beschlossenen Änderungen würden es ermöglichen, bestimmte gentechnisch veränderte Produkte ohne besondere Zulassung oder klare Kennzeichnung zu verkaufen. Staudte warnt, dass dieser Schritt die Sortenvielfalt in Europa gefährden und Landwirte finanziellen Risiken aussetzen könnte.

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Die neuen EU-Regeln sehen vor, dass Lebensmittel mit geringfügigen genetischen Veränderungen von strengen Kennzeichnungs- und Zulassungsverfahren ausgenommen werden. Nur Produkte mit umfangreichen genetischen Eingriffen müssen im aktualisierten System weiterhin deklariert werden. Befürworter argumentieren, dass die Änderungen die Züchtungsfortschritte in Europa beschleunigen und den Einsatz chemischer Pestizide reduzieren werden.

Staudte weist diese Argumente als fehlerhaft zurück. Sie betont, dass der Verzicht auf eine Kennzeichnungspflicht den Verbrauchern die Möglichkeit nehme, bewusst auf gentechnikfreie Produkte zurückzugreifen. Die Ministerin warnt zudem vor den Risiken einer Kreuzkontamination, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen im Freiland angebaut werden – mit potenziell langfristigen Folgen, die nicht sofort erkennbar seien. Die Entscheidung stelle eine Abkehr vom in Europa seit langem geltenden Vorsorgeprinzip dar, so Staudte. Zwar unterstützten eine qualifizierte Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten – darunter Belgien und Polen – den Kompromiss, doch Deutschland enthielt sich und lehnte die Pläne ab. In den verfügbaren Berichten werden keine konkreten Unternehmen oder Organisationen als Befürworter der Änderungen genannt.

Trotz Staudtes Bedenken werden die überarbeiteten Regeln nun umgesetzt. Landwirte könnten neuen finanziellen Belastungen ausgesetzt sein, während Verbraucher die Möglichkeit verlieren, gentechnisch veränderte Lebensmittel leicht zu identifizieren. Die langfristigen Auswirkungen auf die Sortenvielfalt und die landwirtschaftlichen Praktiken in Europa bleiben unter dem aktualisierten System ungewiss.