ARD und ZDF setzen auf persönliche Reportagen – doch der „Selfie-Journalismus“ polarisiert

Noah Franke
Noah Franke
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Eine alte Zeitung mit einer Zeichnung einer Menge von Menschen in einer lebhaften Diskussion, begleitet von Text und Bildern.Noah Franke

ARD und ZDF setzen auf persönliche Reportagen – doch der „Selfie-Journalismus“ polarisiert

ARD und ZDF setzen auf neue Wege, um junge Zuschauer zu erreichen – mit persönlichen, emotional geprägten Reportageformaten. Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen damit die Altersgruppe zwischen 14 und 29 Jahren ansprechen, indem sie Inhalte authentischer und nahbarer gestalten.

Doch die Umstellung löst eine Debatte über journalistische Standards aus. Klassische Prinzipien wie Objektivität und Neutralität geraten ins Wanken, wenn Reporter selbst zur zentralen Figur ihrer Geschichten werden. Fünf Formate stehen besonders in der Kritik, weil sie diesen Ansatz konsequent verfolgen.

Bei den fünf jungen Formaten – „VOLLBILD“, „exactly“, „Ultraviolett stories“, „Crisis – Hinter der Front“ und „PULS Reportage“ – rücken die Journalisten selbst ins Zentrum der Erzählung. Statt als neutrale Beobachter zu berichten, werden sie zu Protagonisten, die Geschichten durch ihre eigenen Erlebnisse prägen. Dieser Stil entspricht dem Medienkonsum junger Zielgruppen, insbesondere auf sozialen Plattformen, wo persönliche Perspektiven dominieren.

Kritiker bemängeln jedoch, dass die subjektive Sichtweise der Reporter oft das eigentliche Thema überlagert – eine Art „Selfie-Journalismus“. Einige Formate werden für mangelnde Tiefe, sich wiederholende Themen und wenig investigative oder kontextuelle Analyse kritisiert. Trotz dieser Vorbehalte betrachten die Sender den Wandel als unumkehrbar und betonen, dass Reporter lernen müssten, ihre Geschichten sorgfältiger auszuwählen.

Erste Rückmeldungen deuten darauf hin, dass junge Zuschauer die wachsende Zahl „ich-zentrierter“ Formate langsam überdrüssig werden. Zwar wirkt der persönliche Ansatz authentisch, doch stellt sich die Frage, ob er auf Kosten journalistischer Sorgfalt geht. Die Sender stehen nun vor der Herausforderung, emotionale Nähe mit fundierter Berichterstattung zu verbinden, um relevant zu bleiben.

Der Trend zu subjektivem Storytelling markiert einen deutlichen Bruch mit dem traditionellen Journalismus. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten müssen nun einen Ausgleich finden zwischen persönlicher Ansprache und inhaltlicher Tiefe. Ob die neuen Formate langfristig erfolgreich sein werden, hängt davon ab, ob sie junge Zuschauer begeistern können – ohne dabei an Glaubwürdigkeit einzubüßen.

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