Sigmaringer Krankenhaus stellt lebenswichtige Herz-Sprechstunde ein

Sigmaringer Krankenhaus stellt lebenswichtige Herz-Sprechstunde ein
Wichtige ambulante Versorgung im Sigmaringer Krankenhaus wird eingestellt
Eine zentrale ambulante Fachabteilung des Sigmaringer Krankenhauses muss schließen, nachdem ein leitender Kardiologe in die private Praxis wechselt. Die von Jan Prillinger geleitete Einheit für Schrittmacher- und Defibrillator-Betreuung wird ab dem 1. Oktober ihren Betrieb einstellen. Krankenhauseigene Angaben zufolge ist eine Wiedereröffnung unwahrscheinlich – betroffene Patienten müssen sich nach Alternativen umsehen.
Der Fall verdeutlicht die übergeordneten Herausforderungen, vor denen Krankenhäuser bei der ambulanten Versorgung unter Deutschlands strengen Gesundheitsvorschriften stehen.
Jan Prillinger, der für die Schrittmacher- und Defibrillator-Versorgung zuständige Kardiologe des Sigmaringer Krankenhauses, wird am 1. Oktober der Ärztegemeinschaft Hanfertal beitreten. Mit seinem Abgang kann das Krankenhaus den spezialisierten Dienst nicht länger aufrechterhalten. Da die Zulassungen für ambulante Behandlungen in Deutschland an einzelne Ärzte und nicht an die Klinik selbst gebunden sind, gestaltet sich eine Nachbesetzung als schwierig.
Krankenhäuser in Deutschland dürfen ambulante Leistungen nur in Ausnahmefällen anbieten und benötigen dafür Sondergenehmigungen des Zulassungsausschusses. Diese werden in der Regel nur für komplexe Eingriffe oder den Einsatz hochspezialisierter Medizintechnik erteilt. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) überwacht das Verfahren und begrenzt häufig die ambulante Krankenhausversorgung, um Überschneidungen mit niedergelassenen Praxen zu vermeiden.
Das Sigmaringer Krankenhaus betreibt derzeit ambulante Sprechstunden in den Bereichen Urologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Gynäkologie, Chirurgie und Onkologie. Diese Angebote dienen nicht der Konkurrenz zu lokalen Ärzten, sondern der Deckung des Patient:innenbedarfs, wenn niedergelassene Praxen an Kapazitätsgrenzen stoßen. Doch neue Regelungen in diesem Jahr haben die Versorgung gestört – so konnten etwa gesetzlich versicherte Krebspatient:innen zeitweise keine onkologischen Behandlungen in Anspruch nehmen.
Langfristig plant das Krankenhaus, seine ambulanten und stationären Bereiche zu trennen, um die Effizienz zu steigern. Dafür sind jedoch Investitionen nötig, die bisher nicht gesichert sind. Zudem erwirtschaftet die ambulante Versorgung geringere Erlöse als die stationäre Behandlung, was sie wirtschaftlich weniger attraktiv macht. Trotz dieser Hürden rechnet die SRH-Klinikengruppe mit einer steigenden Nachfrage nach ambulanten Leistungen – ganz im Sinne der nationalen Gesundheitspolitik.
Die Schließung der Schrittmacher- und Defibrillator-Sprechstunde in Sigmaringen zwingt Patient:innen, sich nach anderen Versorgungsmöglichkeiten umzusehen. Krankenhäuser sehen sich weiterhin mit finanziellen und regulatorischen Hindernissen konfrontiert, wenn es um den Ausbau ambulanter Angebote geht – und das, obwohl der Bedarf wächst.
Ohne politische Reformen oder zusätzliche Mittel könnten ähnliche Versorgungsengpässe künftig auch andere Kliniken treffen.

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