Baden-Württemberg belohnt Haushalte für flexiblen Stromverbrauch in Spitzenzeiten
Noah FrankeBaden-Württemberg belohnt Haushalte für flexiblen Stromverbrauch in Spitzenzeiten
Neue Kampagne in Baden-Württemberg: Haushalte sollen Stromverbrauch in Spitzenzeiten anpassen
Mit der Initiative „PowerLändle“ wirbt Baden-Württemberg dafür, dass Privathaushalte ihren Stromverbrauch in Zeiten hoher Nachfrage flexibel steuern. Als Anreiz winken finanzielle Belohnungen für die Verschiebung von Lasten, wenn das Netz an seine Grenzen stößt. Das Projekt orientiert sich an einem erfolgreichen britischen Modell, das dort inzwischen fest im Energiemarkt verankert ist.
Hinter „PowerLändle“ stehen der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und der Energiedienstleister Octopus Energy. Teilnehmer erhalten über die App „StromGedacht“ Echtzeit-Hinweise zum Netzstatus – ein Farbsystem zeigt an, wann die Belastung besonders hoch ist. Bei Spitzenlast können Verbraucher ihren Verbrauch drosseln und nehmen damit an einer Verlosung teil, bei der unter anderem ein Kühlschrank zu gewinnen ist. Alternativ gibt es teilweise Rückerstattungen auf die Stromrechnung.
Bereits im Januar reagierten rund 13.000 Nutzer auf zwei Engpässe im Netz und steuerten flexibel etwa 28,5 Megawattstunden Nachfrage. Wie Werner Götz, Vorstandsvorsitzender von TransnetBW, betont, reichen schon kleine finanzielle Anreize pro Kilowattstunde aus, um netzdienliches Verhalten zu fördern. Allerdings bremse die zögerliche Einführung intelligenter Stromzähler (Smart Meter) noch die Ausschöpfung dezentraler Flexibilität. Vorbild für das baden-württembergische Projekt ist der britische „Demand Flexibility Service“ (DFS), den der nationale Netzbetreiber National Energy System Operator (NESO) ins Leben gerufen hat. Nach einem Pilotbetrieb im Winter 2023/2024 ist das Programm nun fester Bestandteil des britischen Energiemarkts. Über zwei Millionen Haushalte nahmen im ersten Jahr teil und verlagerten mehr als zwei Gigawattstunden Stromverbrauch. In Großbritannien können alle Haushalte mit Smart Meter mitmachen – unabhängig vom Energieanbieter.
Ziel der Kampagne in Baden-Württemberg ist es, durch die Beteiligung der Verbraucher die Netzbelastung zu verringern. Mit finanziellen Anreizen und Echtzeit-Warnungen folgt sie einem bewährten Konzept aus Großbritannien. Bei Erfolg könnten ähnliche Modelle bundesweit eingeführt werden, um den Strombedarf künftig besser zu steuern.
