Wie E-Auto-Fahrer in Baden-Württemberg das Stromnetz stabilisieren und dabei Geld verdienen
Ella HofmannWie E-Auto-Fahrer in Baden-Württemberg das Stromnetz stabilisieren und dabei Geld verdienen
Ein neues Feldprojekt in Baden-Württemberg erforscht, wie das Laden von Elektroautos das Stromnetz entlasten kann. Unter dem Namen LadeFlexBW nehmen rund 1.500 private E-Auto-Besitzer teil, die finanzielle Anreize erhalten, wenn sie ihre Ladegewohnheiten anpassen. Das seit Oktober 2023 laufende Pilotvorhaben soll beweisen, dass Netflexibilität unter realen Bedingungen funktioniert – ohne Komfortverluste für die Fahrer.
LadeFlexBW setzt auf ein freiwilliges, marktbasiertes Modell. Die Teilnehmer erlauben leichte Verschiebungen ihrer Ladezeiten, um den Strombedarf besser zu steuern. Das System ist in das deutsche Standardlastprofil (SLP) eingebettet, sodass keine intelligenten Zähler erforderlich sind.
Das Projekt ist skalierbar – von einigen hundert bis zu zehntausenden Fahrzeugen. Gleichzeitig eröffnet es den Fahrern eine zusätzliche Einnahmequelle, unabhängig von ihren bestehenden Stromverträgen. Die Flexibilität wird dabei getrennt vom Strombezug vermarktet und schafft so einen neuen Weg, wie Verbraucher von der Nachfragesteuerung profitieren können.
Dominique Gross, Geschäftsführer von Intelligent Energy System Services (IE2S), sieht in dem Test die Chance, ein tragfähiges Vergütungsmodell zu entwickeln. Ziel ist es, Fahrer für netzdienliches Laden zu belohnen und gleichzeitig Flexibilität für das Energiesystem zu erschließen. Oliver Strangfeld, Vorstand bei TransnetBW, betont die Bedeutung solcher Reallabore: Sie seien entscheidend, um über kleine Pilotprojekte hinauszukommen.
Bis Anfang 2026 könnten die Erkenntnisse aus LadeFlexBW die künftige Energiepolitik prägen. Die Ergebnisse könnten Netzentgelte, digitale Ladedienste und Regularien für die Integration der E-Mobilität beeinflussen.
Das Projekt zeigt, wie private E-Auto-Fahrer zur Netzstabilität beitragen und dabei zusätzliches Einkommen erzielen können. Die Daten helfen, Nachfragesteuerungsmodelle zu verfeinern und die Energiewende in Deutschland voranzutreiben. Bei Erfolg könnte der Ansatz ausgeweitet werden – als Blaupause, um erneuerbare Energien und die wachsende E-Mobilität in Einklang zu bringen.






