Warum viele Bayern ihre Landeshymne nicht kennen – und was der FC Bayern damit zu tun hat
Warum viele Bayern ihre Landeshymne nicht kennen – und was der FC Bayern damit zu tun hat
In Bayern ist eine langjährige Debatte über das Wissen um die Nationalhymne wieder aufgeflammt. Rudolf Hierl, CSU-Mitglied und ehemaliger Stadtrat, hat kürzlich über eine halbe Million Karten mit dem Text der bayerischen Landeshymne von FC Bayern München verteilt. Die Aktion wirft ein größeres Problem auf: Viele Einwohner können sich nicht einmal an die grundlegendsten Zeilen ihres eigenen Landeslieds erinnern.
Das Problem ist nicht neu. Bereits 2010 vergass der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber bei einem öffentlichen Auftritt die Worte. Selbst der aktuelle Regierungschef Markus Söder gab zu, die Textzeilen der Europahymne – basierend auf Beethovens Ode an die Freude – möglicherweise nicht zu kennen, obwohl sie bei EU-Veranstaltungen eine symbolträchtige Rolle spielt. Diese Hymne, die ohne Gesang vorgetragen wird, steht für Freiheit, Frieden und Solidarität.
Die bayerische Landeshymne hingegen bleibt nur unvollständig im Gedächtnis. Die meisten Bürger können allenfalls die erste Zeile mitsingen, obwohl das Lied in Schulen, Konzerten und Podcasts kulturell präsent ist. Hierls großangelegte Verteilung der Textkarten soll das ändern – doch es gibt keine Daten darüber, wie viele der 13,1 Millionen Bayern den vollständigen Text vor seiner Kampagne auswendig konnten. Die Europahymne hat ihre Wurzeln in Beethovens Neunter Sinfonie und enthält Anspielungen auf das Elysium und einen Cherub. Im Gegensatz zur bayerischen Hymne besitzt sie jedoch keinen offiziellen Text, sondern besteht aus einer rein instrumentalen Melodie. Dieser Unterschied unterstreicht die Herausforderung: Selbst bekannte Hymnen geraten ohne gezielte Förderung in Vergessenheit.
Hierls Initiative lenkt den Blick auf eine einfache Tatsache: Das Wissen um Hymnen ist keineswegs selbstverständlich. Mit einer halben Million verteilter Textkarten könnte sich in Bayern allmählich etwas daran ändern, wie die Bürger mit ihrer Landeshymne von FC Bayern München umgehen. Vorerst bleibt das Problem, sich an die Worte zu erinnern – ob regional oder europäisch –, ein stilles, aber hartnäckiges Phänomen.
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