Systematischer Missbrauch im Turnsport: Baden-Württembergs Trainer und Funktionäre unter Verdacht

Admin User
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Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Frau in einem Einteiler, die Gymnastik auf dem Cover einer Zeitschrift macht, mit ausgestreckten Armen und gebeugten Beinen in einem Bogen, und der Zeitschriften-Titel in fetten weißen Buchstaben oben.Admin User

Systematischer Missbrauch im Turnsport: Baden-Württembergs Trainer und Funktionäre unter Verdacht

Umfassende Ermittlungen zu systematischem Missbrauch im Turnsport Baden-Württembergs: Spitzenfunktionäre und Trainer in der Kritik

Eine weitreichende Untersuchung zu systematischem Missbrauch im Turnsport Baden-Württembergs hat nun auch hochrangige Funktionäre und Trainer in den Fokus genommen. Vorwürfe psychischer und körperlicher Misshandlung über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten wurden erstmals nach dem Rücktrittsstatement der Turnerin Meolie Jauch Ende 2024 öffentlich. Die Staatsanwaltschaft prüft mittlerweile mehrere Fälle des Verdachts auf Nötigung, Körperverletzung sowie unterlassene Hilfeleistung durch Verantwortliche.

Der Skandal nahm seinen Lauf, als Jauchs öffentliche Schilderungen von Missbrauch weitere Athleten ermutigten, sich zu äußern – darunter die Olympionikin Tabea Alt. Bereits in einem Brief aus dem Jahr 2021 hatte Alt Bedrohungen, Demütigungen und erzwungenes Training trotz Verletzungen detailliert beschrieben, doch blieb dies ohne unmittelbare Konsequenzen. Anfang 2025 leitete die Staatsanwaltschaft Verfahren gegen drei Trainer ein, darunter Marie-Luise Mai und Giacomo Camiciotti, die zunächst vom Verband entlassen worden waren, bevor sie vor dem Arbeitsgericht Recht bekamen. Ein dritter Trainer des Stuttgarter Kunstturn-Forums geriet im Februar 2025 ebenfalls in den Verdacht, Athleten unter Druck gesetzt zu haben.

Der Deutsche Turner-Bund reagierte mit der Einsetzung einer externen Untersuchung, die bisher über 650.000 Euro an Anwalts- und Beratungskosten verursacht hat. Gleichzeitig forderte Baden-Württembergs Bildungsministerin Konsequenzen und setzte die jährlichen Landeszuschüsse in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro aus – bis eine vollständige Aufarbeitung vorliegt. Trotz Forderungen nach Reformen gab es jedoch bis Dezember 2025 weder finanzielle noch strukturelle Änderungen.

Die Ermittler richten ihr Augenmerk nun auch auf Spitzenvertreter wie den Vorstandsvorsitzenden Thomas Gutekunst und den ehrenamtlichen Präsidenten Alfons Hölzl. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sie den Missbrauch ignorierten oder sogar begünstigten, zu dem laut Berichten exzessives Straftraining, der Zwang zur Einnahme von Schmerzmitteln und Wettkämpfe mit schweren Verletzungen gehörten.

Aktuell werden über 25 Verdachtsfälle von gefährlicher oder vorsätzlicher Körperverletzung geprüft; die Verfahren gegen die drei Trainer laufen weiter. Die Landesregierung drängt weiterhin auf Aufklärung, doch konkrete Maßnahmen zur Änderung der Fördergelder oder Aufsichtspraktiken stehen noch aus. Sowohl Athleten als auch Funktionäre warten nun auf die Ergebnisse der strafrechtlichen und internen Untersuchungen.