„Soldaten sind Mörder“ – warum Tucholskys Satz heute wieder brisant ist
„Soldaten sind Mörder“ – warum Tucholskys Satz heute wieder brisant ist
Der Journalist Heribert Prantl stellt fest, dass der Satz "Soldaten sind Mörder" auch heute noch Empörung auslöst – genau wie 1995. Doch er argumentiert, dass der Krieg in der Ukraine das blutige Handwerk der Soldaten sei und die Aussage nach wie vor gültig bleibe. Die konservative Richterin Evelyn Haas widerspricht und plädiert dafür, solche Äußerungen unter Strafe zu stellen, um Soldaten zu schützen.
Berüchtigt wurde der Spruch bereits 1931, als Kurt Tucholsky ihn prägte – mit der Folge, dass der Zeitschriftenherausgeber Carl von Ossietzky angeklagt wurde, später jedoch freigesprochen wurde. Das Urteil löste heftige Reaktionen aus, darunter sogar Todesdrohungen gegen die Richter. Heute erinnert das Vorgehen der russischen Armee in der Ukraine an die berechtigte Schärfe der Aussage.
1995 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der Satz "Soldaten sind Mörder" von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Das Gericht betonte, dass die Aussage keine individuelle Strafbarkeit von Soldaten in der Ukraine unterstelle, sondern das Soldatsein und den Krieg an sich anklage. Charlie Chaplins Film "Monsieur Verdoux" verdeutlicht den Widerspruch, dass ein einzelner Mord einen zum Schurken stempelt, Millionen Tote aber einen Helden schaffen.
Prantl hofft auf eine erneuerte Friedensbewegung in Deutschland – doch das scheint im Widerspruch zur aktuellen Stimmung in der Ukraine zu stehen. Trotz aller Debatten bleibt der Satz "Soldaten sind Mörder" eine schonungslose Mahnung an die grausame Natur des Krieges und an diejenigen, die ihn führen.
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