Palmer: "Kann mit der Seele der CDU mitfühlen" - Geheimvideo belastet CDU-Grüne-Koalition in Baden-Württemberg schwer
Ein geleaktes Video hat die Spannungen zwischen CDU und Grünen in Baden-Württemberg weiter verschärft. Die Aufnahmen, die während des knappen Landtagswahlkampfs auftauchten, zeigen den CDU-Politiker Manuel Hagel, wie er 2018 eine umstrittene Bemerkung gegenüber einer Schülerin macht. Die Folgen bedrohen nun die Koalitionsgespräche, da sich beide Seiten gegenseitig schmutzige Tricks und bösen Willen vorwerfen.
Das 2018 aufgenommene Video zeigt den damals 29-jährigen Manuel Hagel, wie er der Schülerin komplimentiert, sie habe "rehbraune Augen". Kurz vor der Landtagswahl im März 2026 veröffentlicht, verbreitete es sich rasant in den sozialen Medien und löste Vorwürfe wegen Sexismus aus. CDU-Spitzenpolitiker, darunter Generalsekretär Tobias Vogt, warfen den Grünen eine "schmutzige Kampagne" vor, die darauf abziele, "Menschen zu zerstören" – gezielt vor der Wahl.
Die Grünen gewannen die Wahl knapp, und Cem Özdemir soll Winfried Kretschmann als Ministerpräsident ablösen. Doch die Regierungsbildung hängt nun davon ab, das Vertrauen der CDU zurückzugewinnen – dem einzigen realistischen Koalitionspartner. Der ehemalige Grüne Boris Palmer räumte zwar die Verärgerung der CDU ein, wies aber Vorwürfe einer geplanten Diffamierungskampagne zurück. Er argumentierte, die Skepsis der Union offenbare vielmehr deren eigene interne Kultur, in der eigenständiges Handeln eines Abgeordneten offenbar undenkbar sei.
Auf Landesebene zeigten sich CDU-Politiker wie Hagel und Thomas Strobl empört, doch die Bundespartei hielt sich bisher mit Stellungnahmen zurück. Die Grünen stehen nun vor der Herausforderung, glaubhaft zu machen, dass die Veröffentlichung des Videos kein "vorgefasster Plan" war – eine zentrale Forderung der CDU, bevor es in den Koalitionsverhandlungen weitergeht.
Baden-Württemberg braucht eine stabile Regierung, und nur ein Bündnis aus CDU und Grünen kann sie stellen. Die Grünen müssen die Bedenken der Union ausräumen, um das Vertrauen wiederherzustellen und eine längere politische Blockade zu vermeiden. Ohne eine Einigung droht dem Land nach dem erbitterten Wahlkampf weitere Unsicherheit.