EU-Pläne für Gebrauchtwagen-Kennzeichnung sorgen für Zündstoff im Kfz-Handel
Luisa BrandtEU-Pläne für Gebrauchtwagen-Kennzeichnung sorgen für Zündstoff im Kfz-Handel
Der Plan der Europäischen Kommission, die standardisierte Fahrzeugkennzeichnung auf Gebrauchtwagen auszuweiten, stößt auf heftigen Widerstand des deutschen Kfz-Handels. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) bezeichnete den Vorschlag als undurchführbar und warnte vor schweren Folgen für Händler und Käufer. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn argumentierte, die neuen Regeln würden zu einem "rechtlichen Chaos" führen und viele ältere Fahrzeuge komplett vom Markt verdrängen.
Mit dem Vorhaben will die Kommission eine veraltete Richtlinie aus dem Jahr 1999 ersetzen und damit klarere Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Emissionen für alle Fahrzeuge vorschreiben – auch für Gebrauchtwagen. Ursprünglich war der Plan Teil eines umfassenderen "Automobil-Pakets", das die Verkehrssicherheit erhöhen, Autodiebstähle eindämmen und den grenzüberschreitenden Verkehrsvollzug durch einheitliche Kennzeichen erleichtern sollte. Doch der ZDK besteht darauf, dass die neuen Vorschriften keine größere Transparenz bringen würden.
Viele Gebrauchtwagen wurden im Laufe der Zeit umgebaut, sodass ihre ursprünglichen Verbrauchsangaben nicht mehr zuverlässig sind. Ältere Modelle wurden nach dem überholten NEFZ-Standard (Neuer Europäischer Fahrzyklus) getestet, während neuere Fahrzeuge nach dem WLTP-Verfahren (Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure) gemessen werden. Händlern fehlen jedoch die Mittel, um zwischen diesen Systemen umzurechnen – der ZDK warnt, eine solche Pflicht wäre praxisfremd.
Peckruhn forderte das Bundeswirtschaftsministerium auf, einzugreifen und auf "rechtssichere und realistische" Regelungen hinzuwirken. Ohne Änderungen, so seine Befürchtung, könnten Händler ältere Gebrauchtwagen künftig ganz vom Handel ausschließen. Kritisch sieht der ZDK auch die geplante Pflicht zur Angabe des Batteriezustands bei gebrauchten Elektroautos – diese Anforderung sei überflüssig und bürokratisch.
In einem Acht-Punkte-Positionspapier verlangt der Verband klarere Zuständigkeiten für Hersteller, Online-Plattformen und Händler. Zudem fordert er eine einheitliche Marktaufsicht in der gesamten EU, um Verwirrung und willkürliche Kontrollen zu vermeiden. Die Einwände des ZDK zeigen, wie tief die Bedenken gegenüber der Praxistauglichkeit des Kommissionsvorschlags sind. Sollten die Regeln wie geplant umgesetzt werden, könnte der Gebrauchtwagenmarkt schrumpfen – und Händler vor massive Umsetzungsprobleme stellen. Nun wartet der Verband auf eine Reaktion der Entscheidungsträger in Brüssel und Berlin.






