EMAF-Festival hält an umstrittenem Film palästinensischer Künstlerin fest
Miriam WolfEMAF-Festival hält an umstrittenem Film palästinensischer Künstlerin fest
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der palästinensischen Künstlerin Al-Sharif in sein Programm 2025 für Kontroversen gesorgt. Die Entscheidung stieß auf Kritik bei lokalen Verantwortlichen und der Landesregierung, doch die Förderung des Festivals bleibt unverändert. Im Mittelpunkt des Streits stehen frühere Social-Media-Beiträge Al-Sharifs, die von manchen als antisemitisch und als Unterstützung der BDS-Bewegung interpretiert werden.
Die Auswahl des Festivals, den Kurzfilm Morning Circle von Al-Sharif zu zeigen, führte dazu, dass sich sowohl die Osnabrücker Stadtverwaltung als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies öffentlich distanzierten. Der Kulturbeauftragte der Stadt, Wolfgang Beckermann, erklärte, er hätte es vorgezogen, ihr Werk aus dem Programm zu nehmen, um jeden Anschein einer Billigung von Antisemitismus zu vermeiden. Dennoch betonte die Landesregierung, dass die Förderung des EMAF nicht gekürzt werde – man achte die künstlerische Unabhängigkeit des Festivals, lehne Antisemitismus jedoch entschieden ab.
Die Debatte dreht sich weniger um den Film selbst als um Al-Sharifs politische Äußerungen im Netz. Die Festivalverantwortlichen argumentieren, ihre Posts erforderten eine differenzierte Betrachtung, da manche Formulierungen mehrdeutig seien. Gleichzeitig hebt das EMAF seine grundsätzliche Offenheit für vielfältige Perspektiven hervor – etwa durch Kooperationen mit palästinensischen, jüdischen und israelischen Künstlern. Das diesjährige Motto An Incomplete Assembly thematisiert Fragen der künstlerischen Freiheit und fügt der Diskussion eine weitere Ebene hinzu.
Der Konflikt spielt sich vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen in Deutschland ab. Zwischen 2021 und 2025 gewann die BDS-Bewegung an Fahrt, begleitet von Protesten mit antisemitischen Parolen, der Verbrennung israelischer Flaggen und Kundgebungen vor Synagogen – besonders nach Raketenangriffen der Hamas. Politisch lehnte die Partei Die Linke 2019 eine Anti-BDS-Resolution ab und positionierte sich bis 2025 gegen die IHRA-Definition von Antisemitismus. Zudem verzeichneten Schulen einen drastischen Anstieg antisemitischer Vorfälle: von 86 Fällen im Jahr 2022 auf 284 im Jahr 2024.
Das Festival wird Al-Sharifs Film wie geplant zeigen und an seinen Programmentscheidungen festhalten – trotz der Kritik. Landesvertreter betonen weiterhin die Bedeutung eines respektvollen Miteinanders bei gleichzeitiger Wahrung der künstlerischen Autonomie. Der Fall spiegelt die tieferen gesellschaftlichen Gräben wider, die in Deutschland über Antisemitismus, Meinungsfreiheit und den Einfluss politischer Bewegungen wie BDS bestehen.






