Ein verbotenes Ballett hält Rudolf Nurejews rebellisches Erbe lebendig
Miriam WolfEin verbotenes Ballett hält Rudolf Nurejews rebellisches Erbe lebendig
Ein Ballett, das das Leben Rudolf Nurejews feiert, hatte 1995 in Berlin Premiere – zwei Jahre nach seinem Tod. Die Produktion, die 2017 auch in Moskau auf die Bühne kam, zeichnet seinen Weg vom jungen Tänzer in Leningrad zum weltweiten Star nach. In Russland mittlerweile verboten, bleibt das Ballett ein beeindruckendes Denkmal für einen der berühmtesten Tänzer der Geschichte.
Nurejew wurde 1938 geboren und starb 1993 an den Folgen von AIDS. Seine Flucht aus der Sowjetunion 1961 markierte einen Wendepunkt, der ihm den Aufstieg zu Ruhm im Westen ermöglichte. Er tanzte an der Seite von Margot Fonteyn, leitete von 1983 bis 1989 das Ballett der Pariser Oper und lebte offen als schwuler Mann in einer Zeit, in der Homosexualität stark stigmatisiert war.
Das Ballett Nurejew wurde vom Choreografen Juri Possochow und dem Regisseur Kirill Serebrennikow geschaffen. Es erlebte 1995 am Berliner Staatsballett seine Uraufführung, kurz nachdem Nurejews Nachlass versteigert worden war. Die Moskauer Produktion folgte 2017 am Bolschoi-Theater, doch Serebrennikow konnte aufgrund rechtlicher Probleme nicht anwesend sein – später wurde er wegen Untreue verurteilt.
Possochow, in der Ukraine geboren, arbeitet trotz des anhaltenden Krieges weiterhin in Russland. Die Bühnenbilder des Balletts zeigen Gegenstände aus Nurejews Leben: Aktgemälde alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und mit Goldfäden bestickte Kostüme. Der erste Akt schildert lebendig seine frühe Ausbildung, die Flucht und den Aufstieg zum Star. Der zweite Akt, zwar visuell beeindruckend mit Solo- und Ensembleauftritten, vermag es jedoch nicht, die gleiche emotionale Wucht zu entfalten.
2023 verbot die russische Regierung das Ballett mit der Begründung, es propagiere "nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen".
Nurejew bleibt eine kraftvolle Darstellung der außergewöhnlichen Karriere und der persönlichen Kämpfe des Tänzers. Das Verbot in Russland unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Zensur. International wird die Produktion weiterhin aufgeführt und bewahrt so Nurejews Vermächtnis für neue Generationen.






