Cyberangriff auf Apotheken: Wie gefälschte Merck-Rechnungen Tausende täuschten
Miriam WolfCyberangriff auf Apotheken: Wie gefälschte Merck-Rechnungen Tausende täuschten
Cyberangriff auf deutsche Apotheken: Gefälschte Rechnungen von Merck sorgen für Verunsicherung
Ein Cyberangriff auf deutsche Apotheken hat dazu geführt, dass viele Betroffene gefälschte Rechnungen des Pharmakonzerns Merck erhalten. Carolin Schleußinger, Inhaberin der Marien-Apotheke in Roding, gehört zu den über 1.200 betroffenen Unternehmen – doch eine zweite Forderung über 25.000 Euro will sie nicht bezahlen. Ihre Begründung: Die Systeme von Merck seien kompromittiert worden, nicht ihre eigenen. Das Unternehmen warnt inzwischen vor betrügerischen Rechnungen und rät zur Überprüfung der Bankverbindungen, doch Kritiker werfen Merck vor, zu langsam und unklar zu reagieren.
Begonnen hatte der Vorfall bereits im vergangenen Jahr, als Apotheken eine Flut an E-Mails erhielten, die angeblich von Merck stammten. Viele, darunter auch Schleußinger, prüften die Angaben – etwa ein neues spanisches Bankkonto – und hielten die Rechnungen für echt. Erst später bestätigte Merck, dass es sich um einen gezielten Cyberangriff handelte.
Schleußinger hatte die erste Rechnung bereits beglichen, bevor ihr der Betrug auffiel. Als Merck später erneut Zahlung für dieselbe Rechnung forderte, ignorierte sie die Aufforderung und holte juristischen Rat ein. Das Unternehmen gab schließlich zu, dass sie Opfer eines Betrugs geworden war, und riet ihr, Anzeige bei der Polizei zu erstatten – was sie auch tat.
Daten vom März 2026 zeigen, dass Nordrhein-Westfalen und Bayern mit rund 450 bzw. 300 Fällen am stärksten betroffen sind. Merck hat inzwischen einen Warnhinweis in seinem Online-Shop platziert und Apotheken aufgefordert, Rechnungsdetails genau zu prüfen. Doch Schleußinger wirft dem Konzern vor, den Umfang des Angriffs herunterzuspielen und keine Verantwortung zu übernehmen.
Mittlerweile kümmert sich ihr Anwalt um den Streitfall, während sie darauf besteht, dass nicht ihre Apotheke, sondern Merck gehackt wurde. Zu den Vorwürfen, das Ausmaß des Angriffs vertuscht zu haben, hat sich das Unternehmen bisher nicht geäußert.
Über 1.200 Apotheken haben gefälschte Merck-Rechnungen gemeldet, die Schäden könnten sich auf Millionen belaufen. Schleußingers Fall zeigt die anhaltenden Folgen des Angriffs, während Betroffene über rechtliche Schritte nachdenken und mehr Transparenz fordern. Merck hält zwar an seiner Warnung fest – doch das Vertrauen in die Sicherheit seiner Systeme hat gelitten.






