Apotheken fordern faire Festbeträge – seit 13 Jahren ohne Anpassung trotz Inflation
Luisa BrandtApotheken fordern faire Festbeträge – seit 13 Jahren ohne Anpassung trotz Inflation
Deutsche Apotheken kämpfen seit fast 13 Jahren mit stagnierenden Festbeträgen – trotz steigender Kosten und Inflation. Der letzte minimale Anstieg von 8,10 auf 8,35 Euro erfolgte 2013, was bei vielen Apothekeninhabern Frust auslöst. Gleichzeitig verzeichnete das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 2022 einen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro – doch eine Anpassung der Festvergütung blieb aus.
Die sogenannte Packungsgebühr wurde 2013 nach einer leichten Erhöhung von 8,10 auf 8,35 Euro festgesetzt. Seither hat die Inflation ihren realen Wert aufgezehrt, obwohl die jährliche Gesamtvergütung für Apotheken um 26 Prozent stieg – von 1,5 Milliarden Euro (2013) auf 7,1 Milliarden Euro (2024). Verantwortlich dafür sind vor allem höhere Medikamentenpreise und größere Packungsgrößen. Eine im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung auf 9,50 Euro stockt jedoch wegen der angespannten Finanzlage der GKV.
Apothekerverbände wie die ABDA fordern nun eine sofortige Anhebung auf 9,50 Euro als Verhandlungsbasis sowie jährliche Inflationsanpassungen. Frank-Martin Welzig, Inhaber der Hils-Apotheke in Delligsen (Niedersachsen), kritisierte in einem Brief an Gesundheitsministerin Nina Warken die Untätigkeit der Politik und bezeichnete den aktuellen Reformentwurf als "Schlag ins Gesicht" der Apotheker. Welzig argumentiert, dass Apotheken durch Rabattverträge maßgeblich zum GKV-Überschuss beigetragen hätten und eine faire Vergütung verdienten.
Der GKV-Spitzenverband hingegen hält den Überschuss für zu gering, um Rücklagen aufzubauen. Unterdessen hat die ApoVWG Verhandlungsmodelle zwischen GKV und Deutscher Apothekerverband (DAV) vorgeschlagen, kombiniert mit Maßnahmen zur Unterstützung ländlicher Apotheken. Viele Inhaber wie Welzig monieren, dass der zusätzliche Aufwand durch Rabattverträge weder anerkannt noch honoriert werde.
Die Pattsituation lässt Apotheken auf eine inflationsgerechte Anpassung warten, die auch ihre Rolle bei der Kostensenkung berücksichtigt. Ohne Änderungen bleibt die Festvergütung bei 8,35 Euro – trotz branchenweiter Forderungen und wachsender Überschüsse im Gesundheitssystem. Verhandlungen zwischen GKV und Apothekervertretern laufen weiter, doch eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.






