AfD zerrissen: Machtkampf um Russland, USA und die Zukunft der Partei
Luisa BrandtAfD zerrissen: Machtkampf um Russland, USA und die Zukunft der Partei
Ein erbitterter innerparteilicher Konflikt zerreißt die deutsche Rechtspopulisten-Partei Alternative für Deutschland (AfD). Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Außenpolitik, wobei tiefe Gräben die Haltung gegenüber den USA und Russland prägen. Die Spannungen haben sich nun zu offenen Vorwürfen und Drohungen mit einer Parteispaltung zugespitzt.
Im Zentrum des Streits steht Rüdiger Lucassen, der wehrpolitische Sprecher der AfD. Er wirft dem russlandfreundlichen Flügel um Björn Höcke vor, ihn aus seiner Position drängen zu wollen. Der Konflikt offenbart grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über Deutschlands Bündnisse und Sicherheitspolitik. Die Parteiführung um die Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel hat Mühe, die internen Querelen einzudämmen. Beide stehen in der Kritik, weil sie sich nicht deutlich genug von umstrittenen Figuren wie Martin Sellner distanzieren, dessen "Remigrations"-Pläne die etablierten Parteien brüskieren. Maximilian Krah, AfD-Bundestagsabgeordneter, warnte, die Ablehnung der USA und die ambivalente Haltung zu Sellners Vorhaben machten eine Zusammenarbeit mit anderen politischen Kräften unmöglich.
Der Streit um die Beziehungen zu den USA wurde öffentlich, als Chrupalla den Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland forderte. Seine Forderung löste innerhalb der Partei Empörung aus – Krah widersprach ihm offen. Krah argumentierte, Deutschland brauche "starke Partner" und könne es sich nicht leisten, sich von westlichen Verbündeten zu isolieren. Insider berichten inzwischen, der Dissens könnte zu einer offiziellen Spaltung führen.
Lucassen, ein überzeugter Befürworter der westlichen Bündnisse Deutschlands, gerät zunehmend ins Visier des russlandnahen Flügels. Er betrachtet Russland als größte Bedrohung an der östlichen NATO-Flanke und weigert sich, seine Haltung aufzuweichen. Damit steht er im direkten Widerspruch zu Höckes Lager, das für eine Annäherung an Moskau wirbt.
Die Spannungen beschränken sich nicht auf Lucassen. Hannes Gnauck, ein weiterer Sicherheitspolitiker der AfD, verfasste eine Presseerklärung zur Unterstützung der USA im Iran-Konflikt. Doch Weidel und Chrupalla blockierten die Veröffentlichung. Der Vorfall unterstrich die Führungsriege zögerliche Haltung gegenüber proamerikanischen Positionen und schürte weiteren Unmut in den eigenen Reihen.
Auch Krah kritisiert die widersprüchlichen Signale der AfD in der Außenpolitik. Die Weigerung, klar Stellung zu den USA und Sellners "Remigrations"-Plänen zu beziehen, habe die Partei politisch isoliert, so Krah. Ohne eine klare Linie riskiere die AfD, bei Wählern und potenziellen Bündnispartnern an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die AfD steht nun an einem Scheideweg, da sich die außenpolitischen Gräben vertiefen. Lucassens Widerstand und Krahs öffentliche Kritik an Chrupallas Forderung nach Truppenabzug deuten darauf hin, dass der Konflikt nicht schnell beigelegt wird. Angesichts lauter werdender Spaltungsdrohungen hängt die Zukunft der Partei – und ihre Fähigkeit, geschlossen aufzutreten – in der Schwebe. Das Ergebnis könnte die rechtspopulistische Landschaft Deutschlands in den kommenden Monaten neu prägen.






