Winnender Gymnasium macht Schüler fit für den Krisenfall – mit Notfallrucksack und Kartenspielen
Miriam WolfDosenwaren und Konserven - Schüler trainieren für Notfälle - Winnender Gymnasium macht Schüler fit für den Krisenfall – mit Notfallrucksack und Kartenspielen
Pilotprojekt in Winnenden: Schüler lernen den Umgang mit Notfällen – bevor sie eintreten
Am Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden vermittelt die Malteser Hilfsorganisation im Rahmen eines Pilotprojekts Schülern grundlegende Fähigkeiten zur Krisenvorsorge. Die Initiative steht im Kontext einer wachsenden Bedeutung von Überlebenskompetenzen für junge Menschen in Deutschland – angesichts zunehmender Katastrophenrisiken.
Unter der Leitung von Lehrer Florian Hambach, der selbst ehrenamtlich im Katastrophenschutz aktiv ist, durchlaufen die Schüler praxisnahe Übungen für den Ernstfall. Dazu gehören das Packen eines Notfallrucksacks mit lang haltbaren Lebensmitteln, die Auswahl von Konserven und Strategien für Stromausfälle – etwa das Spielen von Kartenspielen, um die Zeit zu überbrücken.
Für manche Schüler hat das Thema persönliche Relevanz: Einige nahmen nach den verheerenden Hochwasserkatastrophen 2024 in ihrer Region an dem Kurs teil. Ihre eigenen Erfahrungen machen die Schulungen greifbarer und dringlicher.
Doch Winnenden ist kein Einzelfall. Baden-Württemberg führte im Schuljahr 2023/2024 einen verpflichtenden Aktionstag für Sechstklässler ein. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) plädiert sogar für flächendeckende Unterrichtseinheiten zur Krisenbewältigung. Aktuelle Vorfälle wie der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz, der zeitweise 100.000 Haushalte ohne Strom ließ, unterstreichen die Notwendigkeit solcher Maßnahmen.
Hambach betont, dass nachhaltige Wirkung nur durch kontinuierliche Wiederholung entsteht. Statt einmaliger Workshops schlägt er vor, Notfalltraining fest in den Lehrplan zu integrieren – etwa durch regelmäßige Einheiten über das ganze Schuljahr. So bleibe das Wissen langfristig verankert.
Das Projekt am Georg-Büchner-Gymnasium spiegelt einen bundesweiten Trend wider: Angesichts von Klimakatastrophen und Bedrohungen kritischer Infrastruktur setzen Schulen zunehmend auf frühzeitige Aufklärung. Die Absolventen verlassen die Klasse nicht nur mit Fachwissen, sondern auch mit praktischen Werkzeugen, um in Krisen handlungsfähig zu bleiben.
