Stuttgart 21: Milliardengrab mit ungewisser Zukunft und jahrelangen Verzögerungen
Miriam WolfStuttgart 21: Milliardengrab mit ungewisser Zukunft und jahrelangen Verzögerungen
Stuttgart 21: Bahnprojekt plagiert von weiteren Verzögerungen und explodierenden Kosten
Das Stuttgarter Bahnprojekt Stuttgart 21 steckt in schweren Turbulenzen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir bezeichnete das Vorhaben als „nationalen Witz“ und forderte von der Deutschen Bahn klare Antworten auf die anhaltenden Probleme. Ursprünglich als Revolution für Deutschlands Schienennetz mit vollständiger Digitalisierung geplant, belaufen sich die Kosten mittlerweile auf über 11 Milliarden Euro – und steigen weiter.
Eigentlich sollte das Projekt bereits 2019 in Betrieb gehen, doch nun wird mit einer vollständigen Fertigstellung erst 2031 gerechnet. Selbst das zuletzt angestrebte Teileröffnung im Jahr 2026 wurde gestrichen. Gründe sind unter anderem Mängel in der Notstromversorgung sowie gravierende Baumängel an den Bahnsteigen, die eine rechtzeitige Inbetriebnahme unmöglich machen.
Durch überstürzte Arbeiten wurden über 1.000 Kilometer Kabel und Leitungen falsch verlegt – ein Großteil der Infrastruktur muss nun ausgetauscht werden. Allein die Nachrüstung von 450 neuen Signalen soll 45 Millionen Euro kosten. Die Fehler entstanden, weil mit der Verkabelung begonnen wurde, noch bevor die endgültigen technischen Pläne für das digitale Stellwerkssystem vorlagen.
Stuttgart 21 sollte Deutschlands erste vollständig digitalisierte Großbahnstrecke werden, gestützt auf das europäische Zugsicherungssystem ETCS und digitale Stellwerke. Doch da Güterzüge ohne ETCS in einigen Bereichen weiterhin auf konventionelle Signale angewiesen sein werden, müssen alt und neu nebeneinander betrieben werden – und das noch über Jahre.
Bisher flossen mindestens 726 Millionen Euro an EU-Fördergeldern in das Projekt. Trotz aller Rückschläge bleibt das langfristige Ziel ein hochmodernes, voll digitalisiertes Schienennetz. Die anhaltenden Verzögerungen und Kostenexplosionen haben jedoch scharfe Kritik von regionalen Politikern ausgelöst. Die Fertigstellung liegt nun ein ganzes Jahrzehnt hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Die Deutsche Bahn steht unter Druck, die technischen Pannen und die steigenden Ausgaben in den Griff zu bekommen, um das Vertrauen in das Projekt wiederherzustellen.






