Pforzheimer Apotheken streiken für faire Vergütung nach jahrelanger Stagnation
Miriam WolfPforzheimer Apotheken streiken für faire Vergütung nach jahrelanger Stagnation
Apotheken in Pforzheim und dem Enzkreis schließen im Protest gegen seit Jahren eingefrorene Gebühren
Am 23. März 2026 blieben die Apotheken in Pforzheim und dem Enzkreis geschlossen – eine koordinierte Protestaktion gegen seit langem stagnierende Vergütungen. Die Kundgebung, die sich vor der Christoph-Apotheke konzentrierte, führte dazu, dass nahezu alle örtlichen Apotheken für einen Tag ihre Türen schlossen – mit Ausnahme der Notdienste. Ähnliche Aktionen fanden bundesweit statt, wo sich nicht für den Notdienst zuständige Apotheken dem Streik anschlossen, um faire Entlohnung zu fordern.
Organisiert wurde die Demonstration vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV). Christian Kraus, Vorsitzender der Regionalgruppe Pforzheim, rief die Apothekenteams auf, sich vor der Christoph-Apotheke zu versammeln. Die Teilnehmer wurden gebeten, in Berufskleidung zu erscheinen und Schilder als Zeichen der Solidarität hochzuhalten. Vor Ort wurde ein symbolischer Traueraltar errichtet, der die finanzielle Notlage der Branche verdeutlichen sollte.
Dass es gelang, fast alle Apotheken zum Mitmachen zu bewegen, sei "mit großem Aufwand verbunden" gewesen, gab Kraus zu. Die Christoph-Apotheke selbst blieb nur geöffnet, weil ihr Inhaber, Andreas Plommer, für den Notdienst eingeteilt war. Plommer hatte extra Personal eingeplant – fünf Mitarbeiter am Vormittag und vier am Nachmittag –, um den erhöhten Andrang zu bewältigen.
Plommer argumentierte, ein vollständiger Streik aller Apotheken – inklusive der Notdienste – hätte ein noch stärkeres Signal gesendet. Die letzte nennenswerte Gebührenanpassung, ein magerer Anstieg um 25 Cent, datiere aus dem Jahr 2013, während die vorherige größere Änderung bereits über 20 Jahre zurückliege, so der Apotheker. Würden auch die Notdienste streiken, müssten Krankenhäuser die Patientenversorgung übernehmen – zu deutlich höheren Kosten.
Über Pforzheim hinaus breitete sich der Protest in ganz Deutschland aus. Nicht für den Notdienst zuständige Apotheken schlossen ihre Türen in einem bundesweiten Schulterschluss, während die Notdienste wie vorgeschrieben weiterarbeiteten.
Die landesweite Aktion unterstrich die Wut der Apotheker über jahrzehntelange minimale Gebührenanpassungen. Mit der Teilnahme nahezu aller Apotheken in Pforzheim und dem Enzkreis handelte es sich um eine der geschlossensten Protestbekundungen der Branche. Nun warten der LAV und die lokalen Organisatoren auf eine Reaktion der Politik auf ihre Forderungen.






