Neues Digitales-Versorgungsgesetz: Hoffnung auf Fortschritt, aber Skepsis bleibt
Luisa BrandtNeues Digitales-Versorgungsgesetz: Hoffnung auf Fortschritt, aber Skepsis bleibt
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat Pläne für ein neues Digitales-Versorgungsgesetz (DVG) vorgestellt. Das geplante Gesetz soll das deutsche Gesundheitssystem durch bessere digitale Werkzeuge und Infrastruktur modernisieren. Doch Pflegeeinrichtungen und Ärztinnen sowie Ärzte äußern Bedenken hinsichtlich praktischer Herausforderungen und Finanzierungslücken.
Der Gesetzentwurf konzentriert sich darauf, die elektronische Patientenakte (ePA) nutzerfreundlicher zu gestalten und die Telematikinfrastruktur (TI) zu stärken. Zudem sieht er Maßnahmen vor, um die gematik – die für digitale Gesundheitssysteme zuständige Behörde – zu konsolidieren. Die 2005 gegründete gematik hat die TI von ihrem veralteten Rahmen der 2000er-Jahre (TI 1.0) zur sichereren und flexibleren TI 2.0 weiterentwickelt, die 2020 eingeführt wurde. Aktuelle Updates umfassen die ePA 3.1.3, E-Rezepte und digitale Abrechnungssysteme; weitere Modernisierungen sind bis 2026 geplant.
Trotz dieser Fortschritte bleiben grundlegende Probleme bestehen. Eine Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aus dem Jahr 2025 zeigte anhaltende Mängel auf: unübersichtliche PDF-Sammlungen in den ePAs, fehlende Teilnahme von Kliniken und häufige technische Ausfälle. Ein großer TI-Ausfall 2020 sowie Sicherheitslücken haben das Vertrauen in das System zusätzlich erschüttert.
Die Ärzteschaft reagiert auf die Pläne mit vorsichtigem Optimismus. Viele hoffen, dass die Reformen die Arbeitsabläufe entlasten, die bisher durch unzuverlässige digitale Tools gestört werden. Die KBV fordert eine unabhängige "elektronische Pflegeakte", die von der ePA getrennt ist und besser auf die Bedürfnisse der Langzeitpflege zugeschnitten wird. Derweil begrüßt der AOK-Bundesverband die geplante Erweiterung der ePA-Funktionen und plädiert für einfachere Authentifizierungsverfahren. Zudem schlägt er vor, den Krankenkassen mehr Mitspracherecht bei der gematik einzuräumen – etwa durch erweiterte Stimmrechte oder eine stärkere Beteiligung an der Behörde.
Pflegeeinrichtungen fühlen sich jedoch übergangen. Sie fordern maßgeschneiderte digitale Lösungen und stabile Finanzierung, um sicherzustellen, dass die Digitalisierung den Arbeitsalltag tatsächlich verbessert. Der Sektor appelliert an die Politik, die Langzeitpflege als eigenständigen Bereich mit spezifischen Anforderungen anzuerkennen.
Das Digitale-Versorgungsgesetz zielt darauf ab, langjährige Lücken in der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens zu schließen. Bei Verabschiedung würde es Aktualisierungen der ePA vorantreiben, die Rolle der gematik stärken und den Datenzugang für die Forschung ausweiten. Doch der Erfolg hängt davon ab, technische Pannen zu beheben, eine verlässliche Finanzierung zu sichern und allen Bereichen – insbesondere der Langzeitpflege – praktikable und alltagstaugliche Lösungen anzubieten.






