Neue juristische Wende im Fall Julian Reichelt: NDR will zensierte ARD-Sendung wiederherstellen
Noah FrankeNeue juristische Wende im Fall Julian Reichelt: NDR will zensierte ARD-Sendung wiederherstellen
Ein langjähriger Rechtsstreit um Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt soll neu aufgerollt werden. 2023 hatte Reschke Fernsehen im ARD über Behauptungen berichtet, Reichelt habe während seiner Zeit an der Spitze von Deutschlands größtem Boulevardblatt Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt. Nun will der Norddeutsche Rundfunk (NDR) die zensierten Passagen dieser Sendung wiederherstellen – und plant, Zeugen vor Gericht zu laden.
Reichelt hat die Vorwürfe stets bestritten. Doch der Fall, der 2022 mit Berichten des Spiegel begann, wurde erst 2026 offiziell eingestellt. Neue juristische Schritte könnten nun sowohl Reichelt als auch seinen früheren Arbeitgeber, den Axel-Springer-Verlag, erneut unter Druck setzen.
Ausgelöst wurde die Kontroverse, als der Spiegel 2022 erstmals Vorwürfe gegen Reichelt wegen seines Verhaltens während seiner Bild-Zeit veröffentlichte. Ein Jahr später strahlte Reschke Fernsehen einen Beitrag aus, der diese Anschuldigungen untermauerte – darunter Aussagen von Frauen, die angaben, nach der Abwehr seiner Avancen berufliche Nachteile erlitten zu haben. Reichelt reagierte mit einer einstweiligen Verfügung und zwang den ARD damit, zentrale Passagen der Sendung zu schwärzen.
Die ursprüngliche Sendung ist nicht mehr in der ARD-Mediathek abrufbar, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Doch der NDR geht nun juristisch gegen die Zensur vor und will das gesperrte Material wieder zugänglich machen. Zudem beabsichtigt der Sender, Zeugen zu laden – darunter mindestens eine Frau, die Reichelt vorwirft, sie zu einer sexuellen Beziehung genötigt zu haben.
Für den Axel-Springer-Verlag könnte die erneute Aufmerksamkeit unangenehm werden. Einige der betroffenen Frauen hatten bereits früher von negativen beruflichen Konsequenzen berichtet, nachdem sie sich geäußert hatten. Reichelt hingegen beteuert weiterhin seine Unschuld und stellt sich als Opfer einer politischen Kampagne dar. Fünf Jahre nach Bekanntwerden des Skandals gibt es keine öffentlichen Anzeichen dafür, dass er seine Position überdenkt.
Deutschlands Justizsystem ist berüchtigt für seine Langsamkeit, besonders in Presserechtsstreitigkeiten. Die neuen Verfahren könnten sich über Monate hinziehen und einen Fall in die Länge ziehen, den viele bereits für abgeschlossen hielten.
Der anstehende Gerichtsstreit wird zeigen, ob die zensierten Teile des Reschke-Fernsehen-Beitrags wieder veröffentlicht werden dürfen. Sollten Zeugen aussagen, könnten ihre Aussagen die Debatte über Reicheltes Verhalten und den Umgang des Axel-Springer-Verlages mit der Affäre neu entfachen. Das Urteil könnte zudem Präzedenzcharakter für den Umgang deutscher Medien mit ähnlichen rechtlichen Herausforderungen in Zukunft haben.






