Netflix' One Piece bricht mit der Vorlage – warum Sabo und Bartolomeo plötzlich von Anfang an dabei sind
Luisa BrandtNetflix' One Piece bricht mit der Vorlage – warum Sabo und Bartolomeo plötzlich von Anfang an dabei sind
Netflix' One Piece wagt kühne Abweichungen von der Vorlage – und führt Schlüsselfiguren weit früher ein als erwartet
Schon in der allerersten Folge von Netflix' One Piece-Adaption tauchen zwei Charaktere auf, die im Manga und Anime erst nach über einem Jahrzehnt in Erscheinung treten. Diese kreative Entscheidung hat unter Fans eine Debatte ausgelöst: Wie gelingt der Serie der Spagat zwischen treuer Umsetzung und innovativer Neuerzählung?
Die frühen Auftritte von Sabo und Bartolomeo erfüllen einen klaren Zweck: Sie mildern Luffys Isolation in Loguetown und verleihen den Eröffnungsszenen mehr Tiefe. Doch ihre Präsenz wirft Fragen auf, wie eng sich die Serie an Eiichiro Odas Vision hält – immerhin fungiert der One Piece-Schöpfer als Executive Producer und übt strenge Kontrolle über Änderungen an seinem Universum aus.
In der ursprünglichen One Piece-Chronologie geben Sabo und Bartolomeo ihr offizielles Debüt erst im Dressrosa-Handlungsbogen, der hunderte Kapitel später einsetzt. Sabo, Luffys längst verlorener Bruder, erscheint zunächst in einer Rückblende, bevor er in einem Kolosseumskampf wieder auftaucht. Bartolomeo, ein lautstarker Pirat, betritt die Handlung ebenfalls während dieses Bogens und führt mit Luffy ein längeres Gespräch.
Die Netflix-Serie hingegen platziert beide Figuren von Anfang an in Loguetown. Emily Rudd, die Darstellerin der Nami, und das Produktionsteam erklären, dass diese frühen Einführungen Luffys Einsamkeit in der ersten Folge lindern sollen. Besonders Bartolomeo dient als Gesprächspartner und sorgt so für mehr Interaktion von Beginn an.
Zwar sind Sabo und Bartolomeo im Manga technisch gesehen bereits in Loguetown präsent – wenn auch unsichtbar und namentlich ungenannt –, doch ihre vorzeitige Enthüllung in der Realverfilmung erforderte behutsames Vorgehen. Oda, bekannt für seinen perfektionistischen Ansatz, muss jede Abweichung von der Vorlage absegnen. Obwohl es keine öffentlichen Bestätigungen gibt, dass er diese konkreten Änderungen explizit genehmigt hat, deuten seine Rolle als Executive Producer und regelmäßige Besuche am Set auf seine Mitwirkung hin. Ein eindeutiger Beleg für seine Zustimmung zu den frühen Auftritten fehlt jedoch.
Oda hat zudem verraten, dass er bereits weiß, wo die Netflix-Serie ihren Abschluss finden soll. Er habe einen bestimmten Handlungsbogen im Sinn, der den perfekten Schlusspunkt setzen würde – ein Hinweis auf eine langfristige Strategie für die Adaption.
Die Entscheidung, Sabo und Bartolomeo so früh einzuführen, verändert zwar das Erzähltempo von One Piece, entspricht aber dem Ziel der Serie, die Zuschauer von Anfang an zu fesseln. Ihre Anwesenheit in Loguetown mag nicht zur ursprünglichen Handlung gehören, doch sie zeigt die kreativen Freiheiten, die unter Odas übergeordneter Aufsicht möglich sind. Wie sich diese Änderungen auf künftige Folgen auswirken – und ob sie seine volle Rückendeckung erhalten – wird sich wohl erst im Verlauf der Serie zeigen.
