Ein Jahr Treff am Bahnhof: Wie die Anlaufstelle am Gleis Leben verändert
Luisa BrandtEin Jahr Treff am Bahnhof: Wie die Anlaufstelle am Gleis Leben verändert
Ein Jahr nach der Eröffnung bleibt der Treff am Bahnhof eine wichtige Anlaufstelle, die Besuchern Unterstützung und einen sicheren Raum bietet. Direkt am Bahnhofs gelegen, begrüßt die Einrichtung täglich etwa 50 Menschen – darunter zunehmend mehr Frauen. Die Finanzierung ist bis Ende 2027 gesichert, doch über die langfristige Zukunft muss noch verhandelt werden.
Das Zentrum hat sechs Tage die Woche geöffnet. Alkoholkonsum ist erlaubt, Cannabis hingegen verboten, um ein kontrolliertes Umfeld zu gewährleisten. Übernachtungen sind nicht gestattet, und durch unangekündigte Kontrollen wird sichergestellt, dass die Regeln eingehalten werden – bisher gab es keine Vorfälle. Ehrenamtliche können bei Verstößen tageweise Hausverbote aussprechen, während die Trägerorganisation eva im Bedarfsfall dauerhafte Ausschlüsse verhängen kann.
Die Besucher:innen engagieren sich aktiv im Betrieb der Einrichtung. Joachim Wörner übernimmt etwa die Schlüsselverwaltung und Reinigungsaufgaben. Sozialarbeiter:innen kommen wöchentlich vorbei, und Passant:innen schauen oft zum Plaudern oder Spenden herein. Zudem gab es Anfragen nach Fachvorträgen zu Themen wie Aids-Prävention, Sucht und Tierschutz.
Aktuell prüft die Stadt, ob das Alkoholverbotsgebiet um den Bahnhof erweitert werden soll. Während es in Deutschland 28 offizielle Drogenkonsumräume gibt – vor allem in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München –, sind offene Begegnungsstätten für Drogenkonsument:innen weniger verbreitet. Einrichtungen wie der Treff am Bahnhof existieren zwar auch in kleineren Städten wie Laupheim und Hamm, doch eine bundesweite Erhebung gibt es nicht.
Der Erfolg des Projekts hat Debatten über die Zeit nach 2027 ausgelöst. Beteiligte werden prüfen, ob die Förderung fortgesetzt oder das Angebot angepasst werden soll. Bis dahin bleibt der Treff am Bahnhof eine zentrale Anlaufstelle für alle, die ein strukturiertes und unterstützendes Umfeld suchen.
