Die Linke wirbt auf Englisch, Türkisch und Arabisch – doch bringt das Stimmen?
Noah FrankeDie Linke wirbt auf Englisch, Türkisch und Arabisch – doch bringt das Stimmen?
Die Linke in Baden-Württemberg setzt auf ungewöhnliche Wähleransprache vor der Landtagswahl
Jan van Aken, Spitzenkandidat der Linken, hat in den vergangenen Wochen Wähler direkt auf englisch, deutsch, türkisch, griechisch, arabisch und bosnisch angesprochen. In seinen Videobotschaften thematisierte er drängende Probleme wie steigende Mieten und prekäre Arbeitsverhältnisse. Dabei rief er die Zuschauer jeweils auf, am 8. März für seine Partei zu stimmen.
Inspiriert wurde die Strategie von Zohran Mamdani, einem linksgerichteten Stadtrat aus New York, der für seine mehrsprachige Kampagnenarbeit bekannt ist. Doch nicht alle sind von der Wirksamkeit des Ansatzes überzeugt. Der Politikberater Özgür Özvatan kritisierte van Akens Auftritt als steif und bevormundend.
Auch andere Parteien haben bereits mit fremdsprachigen Wahlkampfmaterialien experimentiert. Die rechtspopulistische AfD etwa produzierte Inhalte in Sprachen jenseits des Deutschen. Cem Özdemir von den Grünen – selbst mit Migrationshintergrund – setzt hingegen in seinem Rennen um das Amt des Ministerpräsidenten ausschließlich auf Deutsch.
Drei Tage vor der Wahl enthielt van Akens letztes Video eine Gebärdensprachdolmetscherin. Am Ende fragte diese die Zuschauer: "Haben Sie das verstanden?" – ein seltener Moment direkter Ansprache.
Die Linke selbst hat sich offiziell nicht zur mehrsprachigen Kampagne geäußert. Stattdessen forderten verbündete Organisationen wie der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg vor der Wahl 2026 eine Fairness-Vereinbarung für migrationspolitische Debatten. Muhterem Aras von den Grünen veranstaltete zwar Podiumsdiskussionen zu Einwanderung und Antirassismus, verzichtete aber auf gezielte Sprachstrategien.
Van Akens sprachliche Vielfalt hebt sich in einem Wahlkampf ab, in dem die meisten Konkurrenten auf Deutsch setzen. Ob der innovative Ansatz der Linken Wirkung zeigt, könnte sich am 8. März an den Urnen entscheiden.
