Dänemarks Apothekenreformen verändern den Zugang zu Medikamenten grundlegend
Miriam WolfDänemarks Apothekenreformen verändern den Zugang zu Medikamenten grundlegend
Dänemarks Apothekenbranche durchläuft seit zwei Jahrzehnten tiefgreifende Veränderungen. Seit 2001 haben Reformen den Markt für mehr Wettbewerb geöffnet, während sie gleichzeitig den finanziellen Druck auf traditionelle Apotheken erhöhten. Diese Entwicklung führte zu weniger Eigentümern, aber deutlich mehr Filialen – und veränderte damit, wie die Dänen an ihre Medikamente gelangen.
Die Zahl der Apothekenbesitzer in Dänemark ist seit 2001 stark gesunken. Damals betrieben noch 220 Personen eine Apotheke; heute sind es nur noch 176. Gleichzeitig stieg die Gesamtzahl der Filialen rasant an – von 76 auf 301. Durch diese Expansion erhalten nun 40 kleinere Städte erstmals Zugang zu pharmazeutischen Dienstleistungen.
Die Reformen führten zwei neue Modelle für die Abgabe von Medikamenten ein. Eines ermöglicht den rezeptfreien Verkauf in Einzelhandelsketten, was den Wettbewerb für traditionelle Apotheken verschärft. Das andere sieht Medikamenten-Abholstellen vor – einfachere Standorte, die nur pharmazeutisches Fachpersonal vor Ort erfordern. Bis Oktober 2025 plant Dänemark die Einrichtung von 350 solchen Abholstellen.
Apothekenleiter verwalten heute mehr Standorte als früher. 2015 war eine Führungskraft im Schnitt für 1,95 Filialen zuständig; 2024 stieg diese Zahl auf 3,10. Gleichzeitig mussten die Apotheken ihr Dienstleistungsangebot ausbauen – bei einem Anstieg der spontanen Rezeptabgaben um 68 % seit 2015.
Das dänische Modell stößt international auf Interesse. Dr. Claus Pöhlmann untersuchte in seiner Doktorarbeit, ob sich diese Reformen als Vorbild für Deutschland eignen könnten.
Dänemarks Apothekenlandschaft ist heute geprägt von weniger Eigentümern, aber deutlich mehr Standorten – von Einzelhandelsverkaufsstellen bis hin zu Abholstellen. Die Reformen haben den Zugang zu Medikamenten verbessert, insbesondere in ländlichen Regionen, während sie traditionelle Apotheken zum Umdenken zwangen. Der Erfolg des Systems hat sogar Diskussionen über eine mögliche Übertragung auf andere Länder angestoßen.






