«Blutbuch» als Bühnensturm: Wie Kim de l'Horizons Roman auf der Theaterbühne lebendig wird
Ella Hofmann«Blutbuch» als Bühnensturm: Wie Kim de l'Horizons Roman auf der Theaterbühne lebendig wird
Die Bühnenadaption von Blutbuch feiert Premiere vor ausverkauftem Haus
Die Theaterfassung von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman Blutbuch hatte am Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg vor ausverkauftem Publikum Premiere. Das Stück begleitet Kim, eine genderfluide Erzählfigur, die von drei Schauspieler:innen verkörpert wird, auf ihrer Auseinandersetzung mit Familiengeschichte und persönlicher Identität – im Schatten einer Blutbuche.
Die Inszenierung beginnt mit einem eindringlichen Bild: Zerrissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, gefüllt mit Sand und Bällen. Darüber leuchtet der Titel Blutbuch in roter gotischer Schrift auf einem weißen Fransenvorhang. Die Handlung entfaltet sich, während Kim – abwechselnd gespielt von Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – in die Vergangenheit eintaucht, um transgenerationale Traumata aufzudecken, die mit der Blutbuche verbunden sind, die ihr Urgroßvater einst pflanzte.
Kims Reise beginnt, als die Demenz ihrer Großmutter Erinnerungen an eine Schweizer Vorstadtkindheit weckt. Nur unter dem alten Baum suchend Schutz, stellt sich Kim dem Schweigen und der Scham entgegen – mit dem Ziel, sie in Selbstakzeptanz zu verwandeln. Der Roman, der 2022 sowohl mit dem Deutschen als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, erkundet einen Körper, der sich binären Definitionen entzieht: fließend, grenzenlos und auf der Suche nach Wahrheit.
Das Stück spiegelt die rohe Intensität des Buches wider und verbindet surreale Bilder mit tief persönlichem Storytelling. Kims Kampf, Identität und geerbtes Leid in Einklang zu bringen, wird auf der Bühne zu einem greifbaren Erlebnis.
Die Premiere markiert eine mutige Adaption von de l'Horizons gefeiertem Werk. Indem die Produktion das Schweigen über Geschlecht und Erinnerung bricht, verwandelt sie Kims Weg in eine gemeinsame Konfrontation mit der Vergangenheit. Die ausverkaufte Vorstellung unterstreicht, wie sehr das Stück beim Publikum ankommt – bei all jenen, die nach Geschichten von Wandlung und Zugehörigkeit suchen.






