30 March 2026, 20:10

Berlin führt umstrittene Ausbildungsabgabe für Unternehmen ohne Lehrstellen ein

Titelblatt eines aufgeschlagenen Buches mit der Aufschrift "Mechanische Anstalt, zum Vortheil der Meister, Gesellen und Lehrlinge"

Berlin führt umstrittene Ausbildungsabgabe für Unternehmen ohne Lehrstellen ein

Berlin führt eine neue Ausbildungsabgabe für Unternehmen ein, die zu wenige Lehrstellen anbieten. Die Regelung, die vom Abgeordnetenhaus der Stadt beschlossen wurde, verpflichtet Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten, eine Ausbildungsquote zu erfüllen – andernfalls drohen finanzielle Strafen. Kritiker bemängeln, dass die Politik die Realitäten moderner Start-ups und veränderte Bildungstrends ignoriert.

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Die Abgabe, Teil des Berliner Ausbildungsförderfondsgesetzes, trat 2023 in Kraft, wird aber ab 2028 verschärft. Dann müssen Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden sicherstellen, dass 4,6 Prozent ihrer Belegschaft aus Auszubildenden bestehen – entsprechend dem deutschen Bundesdurchschnitt. Berlins aktuelle Ausbildungsquote liegt bei nur 3,1 Prozent und damit deutlich unter dem Rest des Landes. Firmen, die die Vorgabe verfehlen, zahlen in einen Fonds ein, der voraussichtlich jährlich 75 Millionen Euro einbringen wird.

Kleinbetriebe bleiben ausgenommen, da 75 Prozent der Berliner Unternehmen weniger als zehn Personen beschäftigen. Doch bei den betroffenen Firmen stößt die Regelung auf Widerstand. Moritz Kreppel von Urban Sports Club nannte die Abgabe ungerecht und argumentierte, sie bestrafe Start-ups für Stellen, die nicht in traditionelle Ausbildungsmodelle passten. Ralph Hage von Lap Coffee kritisierte die Politik als veraltet und behauptete, sie stehe im Widerspruch zu modernen Ansätzen in Bildung und Personalentwicklung.

Agnieszka Walorska von Mika wies auf ein tieferliegendes Problem hin: das sinkende Interesse junger Menschen an Ausbildungsberufen, nicht die mangelnde Bereitschaft der Unternehmen, sie anzubieten. Marius Meiners von Peec AI räumte ein, sein Team habe schlicht nicht die Kapazitäten, Auszubildende zu betreuen, und würde lieber die Strafe zahlen, als den Betriebsablauf zu stören. Die Debatte zeigt die Spannungen zwischen politischen Zielen und den praktischen Herausforderungen der Wirtschaft auf.

Die Ausbildungsabgabe zwingt Berlins Unternehmen, entweder ihre Ausbildungsprogramme auszubauen oder finanziell beizutragen. Da der Fonds voraussichtlich jährlich Millionen erwirtschaften wird, soll die Maßnahme die berufliche Ausbildung in der Stadt stärken. Ob sie jedoch Erfolg hat, hängt davon ab, ob sich die Betriebe anpassen – oder ob die Strafzahlungen schlicht zu einer weiteren Betriebskostenposition werden.

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