Antifeministische Angriffe eskalieren: Gleichstellungspolitik in Deutschland unter Beschuss
Luisa BrandtAntifeministische Angriffe eskalieren: Gleichstellungspolitik in Deutschland unter Beschuss
Organisierte antifeministische Angriffe nehmen zu und bedrohen die Gleichstellungspolitik in ganz Deutschland
Was einst auf rechtsextreme Kreise beschränkt war, findet inzwischen breitere Verbreitung: Eine Welle antifeministischer Attacken gefährdet die Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit im Land. Gleichzeitig geraten öffentliche Symbole der Solidarität mit Frauenrechten – wie die orangen Bänke der UN-Kampagne – zunehmend ins Visier von Vandalen.
Der Deutsche Frauenrat schlägt Alarm: Aus einer Randideologie ist eine Bewegung geworden, die längst über extremistische Gruppen hinausreicht und gezielt Gleichstellungspolitiker:innen sowie Engagierte angreift. Gleichstellungsbeauftragte verzeichnen eine dramatische Zunahme an Feindseligkeiten – von Budgetkürzungen bis hin zu offenen Gewaltakten.
Allein im Jahr 2024 dokumentierte die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Rund 63 Prozent der Gleichstellungsbeauftragten berichten von Angriffen, 40 Prozent waren in den vergangenen zwei Jahren sogar mehrfach betroffen. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg schilderte, wie rechtsextreme Aktivist:innen nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema vor ihrer Haustür auftauchten.
Beim jüngsten BAG-Kongress in Lübeck trafen sich 70 Gleichstellungsbeauftragte unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“. Sie betonten die Dringlichkeit stärkerer Netzwerke und institutioneller Rückendeckung. Ohne Unterstützung aus den eigenen Reihen kämpfen viele gegen gezielte Kampagnen, die sie zermürben sollen.
Sogar symbolische Gesten werden angegriffen: In Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler wurden die orangen Bänke der UN-Kampagne „Orange the World“ gegen geschlechtsspezifische Gewalt beschädigt. Die Taten zeigen, wie der Antifeminismus mittlerweile nicht nur Politiken, sondern auch öffentliche Zeichen der Solidarität ins Visier nimmt.
Die eskalierende Welle antifeministischer Vorfälle setzt diejenigen unter Druck, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Angesichts von Vandalismus, Belästigung und institutionellem Widerstand fordern Beauftragte besseren Schutz und stärkere Bündnisse. Die Zahlen und Berichte belegen es: Die Bewegung ist längst keine marginale Bedrohung mehr, sondern eine anhaltende Herausforderung.






