27 April 2026, 12:13

111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das armenische Leid vergessen

Detailierte Karte von Anatolien und Armenien auf Papier mit begleitendem Text und geografischen Merkmalen.

111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das armenische Leid vergessen

In diesem Jahr jährt sich der Völkermord an den Armeniern zum 111. Mal. Zwischen 1915 und 1923 wurden im Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Armenier systematisch ermordet. Trotz der anerkannten Mitverantwortung Deutschlands an diesen Gräueltaten bleibt das Thema in den Klassenzimmern weitgehend ausgeklammert.

2016 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die forderte, den Völkermord an den Armeniern in die Lehrpläne aufzunehmen. Doch überfüllte Stundenpläne, Zeitmangel und fehlende Unterrichtsmaterialien sorgen dafür, dass das Thema oft vernachlässigt wird. Einige Pädagogen argumentieren, dass Literatur diese Lücke schließen könnte.

Im März veröffentlichte der Reclam Verlag Laura Cwiertnias Roman "Auf der Straße haben wir andere Namen" als Schullektüre. Das Buch behandelt die Themen Völkermord, Überleben und Diskriminierung und begleitet Figuren durch Gewalt, Konflikte und Migration. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers steuerte ergänzende Kommentare und historischen Kontext bei, um Lehrkräften die Arbeit mit dem Text zu erleichtern.

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Befürworter glauben, dass Romane wie der von Cwiertnia Schülerinnen und Schüler emotional für ein Thema erreichen können, das Lehrbücher oft nicht vermitteln. Die Hoffnung ist, dass fiktionale Erzählungen jüngeren Generationen helfen, das Ausmaß und das menschliche Leid des Völkermords zu begreifen.

Doch die Resolution von 2016 bleibt in vielen Schulen unumgesetzt, was Lücken in der historischen Bildung hinterlässt. Zwar bietet Cwiertnias Roman einen neuen Zugang zum Thema, doch sein Einfluss hängt davon ab, ob Lehrkräfte ihn in die ohnehin vollgepackten Lehrpläne integrieren können. Die Frage, wie ein dauerhaftes Bewusstsein für den Völkermord an den Armeniern im Unterricht verankert werden kann, bleibt weiterhin offen.

Quelle